Biostationen NRW

Unsere Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis e.V. ist Teil eines Netzwerkes von Stationen in Nordrhein-Westfalen. Es handelt sich dabei um eine Besonderheit unseres Landes. Daher soll zunächst einmal allgemein die Frage beantwortet werden:

Was sind Biologische Stationen, was tun sie und wer finanziert sie?

Hier zitieren wir die Aussagen von der Homepage des Dachverbandes der Biologischen Stationen in NRW www.biostationen-nrw.org:

Die Biologischen Stationen in Nordrhein-Westfalen

Biologische Stationen sind regionale Einrichtungen für den Naturschutz in Nordrhein-Westfalen. Sie sind besonders durch das langjährige Engagement ehrenamtlicher Mitglieder geprägt, was sich zum Beispiel in einer ausgeprägten Sach- und Ortskenntnis niederschlägt. Ihren Aufgaben entsprechend sind die Biologischen Stationen als gemeinnützige, anerkannte Vereine organisiert. Jede Station ist eigenständig und kann im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten mit eigenem Personal wirtschaften. Die Biologischen Stationen erhalten Mittel des Landes NRW und ihrer jeweiligen Gebietskörperschaften, verschiedene Projektförderungen und nicht zuletzt Spenden. Ein zentraler Dachverband bündelt und vertritt die Interessen der Biologischen Stationen und hilft bei der Beantwortung regional übergreifender Fragen.

 

Geschichte

Die Wurzeln der Biologischen Stationen im Land Nordrhein-Westfalen liegen in den 1970er Jahren. Mitglieder anerkannter Naturschutzverbände und naturschutzfachlich engagierte Bürger gründeten Fachgruppen und wurden im Zuge von Initiativen im regionalen Naturschutz zu Vereinsgründern. Die unabhängigen Fachgruppen lieferten durch intensive feldbiologische Arbeit dem Naturschutz ein fachlich abgesichertes, qualitativ hochwertiges Standbein.

Grundlegendes Element der Biologischen Stationen ist die Unterstützung durch das Land NRW, das fördernd und richtungsweisend hinzutrat. 1990 wurde vom Umweltministerium des Landes ein Fachkonzept erstellt, das den Aufbau weiterer Biologischer Stationen - oder die Finanzierung schon bestehender - ermöglichte und regelte.

 

Finanzierung

Die Biologischen Stationen sind selbstständige und gemeinnützige Vereine, die die Gelder zur Finanzierung ihrer Arbeit selber aquirieren. Den größten Anteil haben in der Regel Mittel des Landes NRW sowie des jeweiligen Landkreises. Die Höhe der Fördergelder ist abhängig von den Haushaltsentscheidungen im Land NRW. Die vom Ministerium für Umwelt- und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) Nordrhein-Westfalen erlassene Förderrichtlinie ("FÖBS") stellt die Basis für diese staatlichen Zuwendungen dar.

Darüber hinaus finanzieren sich Biologische Stationen aus Zuwendungen von Stiftungen, dem Landschaftsverband Rheinland, Fördervereinen und privaten Auftraggebern. Ein weiterer finanzieller Baustein steht im Zusammenhang mit der Umsetzung von EU-geförderten Großprojekten beispielsweise im Rahmen von LIFE+, Ziel 2 oder INTERREG.

 

Aufgaben

Die Arbeitsbereiche einer Biologischen Station werden durch die jeweilige Satzung bestimmt und durch den Trägerverein jährlich im Rahmen eines Arbeits- und Maßnahmeplans konkretisiert. Die grundlegende Förderrichtlinie der Biologische Stationen (FÖBS) formuliert 3 Aufgabenbereiche

- Schutzgebietsbetreuung (Natura 2000-Gebiete, Naturschutzgebiete)

- Vertragsnaturschutz (Einwerben, Beratung und fachliche Betreuung) und

- Natur- und umweltbezogene Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit ('Regionales Profil')

Die Aufgabe, der sich die Biologenteams aus den Fachgruppen "der ersten Stunde" widmeten, ist auch heute noch wichtiger Bestandteil der Arbeit: Beobachtungsdaten über den Zustand der Natur erheben, auswerten, die Ergebnisse als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stellen und Konzepte für eine naturverträgliche Nutzung der sensiblen Bereiche entwickeln. Biologenteams machten sich, in den Anfangsjahren fast ausschließlich ehrenamtlich, an die Dokumentation: Kartieren, Daten sammeln. Alles unter Fragestellungen wie: 'Wo treten seltene und gefährdete Arten noch auf? Was kann man zu deren Schutz tun? Welche Bereiche sind so sensibel, dass sie dringend geschützt werden sollten? Wie kann man das ggf. durch eine angepasste Bewirtschaftung erreichen?'

Im Zuge ihrer Etablierung traten als Aufgaben für die Biologischen Stationen die Planung und Ausarbeitung von Empfehlungen und besonders die praktische Ausführung von Naturschutzmaßnahmen hinzu. Die Beteiligung der Kreise und kreisfreien Städte an der Vereinsträgerschaft für Biologische Stationen bindet heute Biologische Stationen in das kommunale Flächenmanagement und die Landschaftsplanung ein

In den letzten Jahren unterstützen die Stationen das Land NRW verstärkt bei der Erfüllung von EU-Berichtspflichten. Hierzu gehört das Monitoring von Lebensraumtypen und Arten innerhalb und außerhalb von FFH-Gebieten, die Erfassung von § 62-Biotopen, die Bewertung des Erhaltungszustandes der Gebiete sowie die Dokumentation durchgeführter Maßnahmen.

 

Nordrhein-Westfalens Besonderheit

Kein anderes deutsches Bundesland hat eine vergleichbare Struktur der Verzahnung von ehrenamtlichem Engagement, fachlicher Qualifikation und staatlicher Förderung für den Naturschutz vorzuweisen. Vielleicht spiegelt dies die hohe Verantwortlichkeit wider, die im bevölkerungsreichsten Bundesland gegenüber der Natur wahrgenommen wird. Aber auch die Vielfalt im Lande ist eine Herausforderung, auf die die Biologischen Stationen mit ihrer jeweiligen Spezialisierung reagieren. In Nordrhein-Westfalen gibt es zurzeit 40 Biologische Stationen, die im Dachverband organisiert sind.

 

Einrichtungen mit vielfältigem Nutzen

Da über die staatliche Förderung hinaus Projektmittel eingeworben werden und eine Finanzierung über Spenden oder Sponsoringmodelle ebenfalls möglich ist, können Biologische Stationen zusätzliche Arbeitsschwerpunkte innerhalb und neben den 3 Säulen der Förderrichtlinie setzen. Auch werden Wirtschaftsbetriebe in der Land- und Forstwirtschaft als zusätzliche Standbeine etabliert. Vielfältige Kooperationen mit Landnutzern und Landschaftspflegefirmen machen Biologische Stationen zu wichtigen Knotenpunkten in lokalen Wirtschaftskreisläufen und fördern somit die regionale Inwertsetzung von Natur und Landschaft.. Öffentlichkeitsarbeit und die Förderung regionaler Vermarktung naturfreundlich produzierter Waren unterstützt ansässige Betrieben.

Im 'Programm für den Ländlichen Raum 2000-2006' des MUNLV fanden Biologische Stationen als Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpartner Erwähnung, die in die Abstimmungsgespräche zu Förderprogrammen einbezogen werden sollen. Näheres zur Erfolgsbilanz des Programmes 2000-2006 beim MUNLV. Im Programm 2007-2013 werden die Biologischen Stationen als Leistende von Beratungs- und Informationsaktivitäten genannt.

Biologische Stationen setzen landesweit in erheblichem Umfang EU-Großprojekte beispielsweise im Rahmen von Life+, Interreg oder Ziel 2 um und tragen so durch die Bindung von EU-Mitteln erheblich zur Stärkung der Wirtschaftskraft in den Regionen bei.

Neben den Aufgabenschwerpunkten im fachlichen Bereich sind die Biologischen Stationen auch in sozialer Hinsicht wertvoll: Viele junge Leute im Übergang zum Beruf erhalten hier Qualifikationsangebote als Zivildienstleistende, im Freiwilligen Ökologischen Jahr oder im Praktikum. Kontakte zu Land- und Forstwirtschaft, zu Behörden und Facheinrichtungen werden oft über die Biologische Station geknüpft, und so finden immer wieder junge Leute über ihre Station einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.

Mitglieder der Träger- oder Fördervereine, aber auch weitere Freunde und Helfer aus dem ehrenamtlichen Naturschutz verzahnen die Biologischen Stationen mit dem Ehrenamt. Zahlreiche Datenerhebungen werden durch die Hilfe ehrenamtlicher Kartierer um wertvolle Beobachtungen ergänzt oder neu begründet, und oft spürt man durch die Hinweise ortskundiger Helfer/innen Misstände oder Besonderheiten auf.

Im Gegenzug können die Biologischen Stationen ehrenamtliche Arbeit vielfältig unterstützen, z.B. durch das Anbieten von Arbeitsplätzen und -gerät, und vor allem durch persönliches Gespräch, Diskussionen, Datengrundlagen und die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch.

In zahlreichen Facharbeitskreisen, Naturschutzvereinen und berufsständischen Vertretungen sind Stationsmitarbeiter ihrerseits ehrenamtlich tätig.

 

Wofür sind Biologische Stationen eigentlich nicht zuständig?

Der Alltag erschwert die Konzentration auf die im Förderkatalog festgesetzten Naturschutzaufgaben. Oft kommen Menschen mit Anfragen in die Stationen, die weder im Aufgabenkatalog der Förderrichtlinie stehen, noch sonst im Zeitplan vorgesehen sind: verletzte, vermeintlich verlassene Jungvögel, Igel, Probleme mit Garten- und Vorratsschädlingen, besorgte Anrufe bei Entdeckungen von Wespen, Mardern oder anderen "Gästen" im Haus. Nicht zuletzt waren Themen wie "Geflügelpest" und „Schweinepest" Anlass für zahlreiche Anfragen der Öffentlichkeit und der Presse.

 

Biologische Stationen sind für den Naturschutz in Nordrhein-Westfalen unverzichtbar!

  • sie sichern als „Naturschutz-TÜV" die umweltgerechte Entwicklung von Natur und Landschaft
  • sie betreuen mehr als die Hälfte aller Naturschutzgebiete in NRW
  • sie verfügen über weitreichendes Fachwissen und fundierte Gebietskenntnisse
  • sie sind Anlaufstelle für Fragen rund um den Naturschutz - für die Menschen aus der Region
  • sie stützen sich auf ein hohes Potential ehrenamtlicher Mitarbeiter